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Paragramme. Ein Sammelband

Günter Vallaster (Hg.): Paragramme. Ein Sammelband (edition ch 2011) bei der 3rd Independent Publishers and Artzine Fair Vienna Kunsthalle Wien 2012, kuratiert von Cathérine Hug und Rita Vitorelli. Foto: Günter Vallaster.


Die vorliegende Website bietet logbuchartig Hintergrundinformationen zu einigen laufenden ch-Projekten der reihe raum für notizen:

2015

„bewegte sprache / language in motion” (raum für notizen 9) versammelt Lyrik, Prosa, Grafik, Sound- und visuelle Poesie von den Mitwirkenden der transmedialen Literaturveranstaltung „bewegte sprache”, die mit freundlicher Unterstützung der Grazer Autorinnen Autorenversammlung von 2008 bis 2015 zunächst im werkzeugH, dann im Amerlinghaus und schließlich im Literaturhaus Wien stattgefunden hat, sowie von einigen special guests vor allem aus dem bildnerischen Bereich. Mit Beiträgen von Christian „Yeti” Beirer, Marietta Böning, Brandstifter, Helwig Brunner, Jelena Dabic, Gerhild Ebel, elffriede.aufzeichnensysteme, Thierry Elsen, Peter Enzinger, Brigitta Falkner, Michael Fischer, Petra Ganglbauer, Harald Gsaller, Thomas Havlik, Wolfgang Helmhart, Regina Hilber, Christine Huber, Dirk Huelstrunk, Gerhard Jaschke, jopa jotakin, Mark Kanak, Adrian Kasnitz, Christian Katt, Ilse Kilic, Magdalena Knapp-Menzel, Erika Kronabitter, Manuela Kurt, Gerald Nigl, jörg piringer, Renate Pittroff, Helga Pregesbauer, Sophie Reyer, Gabriele Rökl, Roza Rueb, Elli Schnitzer, Birgit Schwaner, Ingo Springenschmid, Petra Johanna Sturm, Christoph Theiler, Liesl Ujvary, united queendoms, Günter Vallaster, Achim Wagner, Seth Weiner, Fritz Widhalm, Daniel Wisser, Andrea Zámbori, Jörg Zemmler u.a.

2013

genauer: Anfang 2014 erschien der achte Band der Reihe „raum für notizen” mit dem Titel „Räume für Notizen”. Er enthält künstlerische und wissenschaftliche Beiträge zur visuellen, digitalen und transmedialen Poesie sowie zum Paragramm von Tomomi Adachi, Derek Beaulieu, Christian „Yeti” Beirer, Helwig Brunner, Natalia Fedorova, Jozsef Fekete (Jofo), Heike Fiedler, Tim Gaze, Thomas Havlik, Zuzana Husárová, Cecilie Bjørgås Jordheim, Juliana V. Kaminskaja, Ilse Kilic, Richard Kitta, Barbara Köhler, Erika Kronabitter, Ulrich Nausner, Jürgen O. Olbrich, Leszek Onak, jörg piringer, Renate Pittroff, Łukasz Podgórni, Amitesh Shrivastava, Shin Tanabe, Christoph Theiler, Andrew Topel, Günter Vallaster, Seth Weiner, Fritz Widhalm, Weertje Willms, herbert j. wimmer, Andrea Zámbori und Jörg Zemmler.

2012

stand wieder im Zeichen eines umfangreicheren visuell- und digital-poetischen Projekts, diesmal herausgegeben gemeinsam mit jörg piringer: Visuelle und digitale PoetInnen aus möglichst vielen Weltgegenden wurden dazu eingeladen, einen visuell-poetischen Blick auf den Globus zu entfalten. Es entstand „A Global Visuage” (raum für notizen 7) mit Beiträgen von Fernando Aguiar, Reed Altemus, Josef Bauer, Derek Beaulieu, Katja Beran, Armando Bertollo, Simon Biggs, Sergej Birjukov, Friedrich W. Block, Mila Blont, Philippe Boisnard, Brandstifter, J. R. Carpenter, John Cayley, Gerhild Ebel, elffriede.i.a., Bartolome Ferrando, Heike Fiedler, Luc Fierens, Christian Futscher, Hortense Gauthier, Harald Gsaller, Rozalie Hirs, Max Höfler, Jochen Höller, Christine Huber, Peter Huckauf, Dirk HuelsTrunk, Zuzana Husárová, Geof Huth, Gerhard Jaschke, Jhave, Ragnhildur Jóhanns, Cecilie Bjørgås Jordheim, Eduardo Kac, Michael Kargl, Christian Katt, Angelika Kaufmann, Ilse Kilic, Anatol Knotek, Boris Konstriktor, Márton Koppány, Sergej Kovalskij, Erika Kronabitter, Jason Lewis, Frank Milautzcki, Nick Montfort, Gertrude Moser-Wagner, Marcus Neustetter, Leszek Onak, Ottar Ormstad, Loss Pequeño Glazier, jörg piringer, Renate Pittroff, Łukasz Podgórni, Hannah Rath, a rawlings, Cia Rinne, Roza Rueb, Natascha Schalina/Andrej Stroganow, Valeri Scherstjanoi, Uwe Schloen, Helmut Schranz, Angelika Schröder, Veronika Schubert, Hannah Sideris, Hartmut Sörgel, Dieter Sperl, Petra Johanna Sturm, Daniel Temkin, Christoph Theiler, Eugenio Tisselli, Liesl Ujvary, united queendoms, Lawrence Upton, Günter Vallaster, Ted Warnell, Helen White, Fritz Widhalm, Daniel Wisser, Andrea Zámbori, Eric Zboya und Ottfried Zielke.
Großes DANKE an alle Mitwirkenden!

Sehr hingewiesen sei auch auf die Covergestaltung von Jörg Piringer (Zitat): „sämtliche seiten wurden mittels automatischer optischer zeichenerkennung analysiert und die erkannten textpassagen übereinandergelegt: eine parasemantische durchsicht durch das buch”.

Eine erste Buchpräsentation gab es am 16.10.2012 in Graz im Forum Stadtpark, Last Chance Saloon (kur. Max Höfler, feat. jörg piringer, Heike Fiedler, Zuzana Husárová und Günter Vallaster).

Die gekürzte Fassung meines dortigen Vortrags:

„A Global Visuage is a Global Village is a Global Voyage is a Global Visu-Age is a Global We-Switch - Ein visuell- und digital-poetischer Blick auf den Globus”

Und die Betonung liegt zunächst einmal auf A

Natürlich kann dieser Blick nur einer von vielen weiteren möglichen sein. Der Anspruch war von Beginn an kein enzyklopädischer und flächendeckender. Es hätte eine ganze Bibliothek mit Global Visuage gefüllt werden können, ja es stellt sich auch die berechtigte Frage, ob das Medium Buch überhaupt noch die adäquate Form für A Global Visuage in einem größeren Umfang ist. Wäre dazu - analog Google Earth - nicht besser ein virtueller Globus im Internet eingerichtet, auf dem alle, die sich beteiligen, mit einem Mash-Up ihre poetischen Zeichen setzen, gleichsam als ein Mail Art 2.0-Projekt? Oder direkt in Google Earth - warum nicht?

Dennoch hat das Medium Buch nach wie vor seine unverzichtbaren Qualitäten, die jeden Beitrag für sich zur Geltung bringen lassen, zugleich auch interessante Konvergenzen und Divergenzen über alle Arbeiten gesehen zeigen, ob sie nun die Techniken oder die Sujets betreffen: Vielfalt ist also das Stichwort, Vielfalt durch Vielfaches, repräsentiert durch die 85 Teilnehmer/innen, und so wie das A aus drei graphischen Elementen besteht, treffen sich im vorliegenden Buch die folgenden drei Hauptstränge der sprachlich-visuellen Transmedialität: die visuelle Poesie mit einem Anker in der Literatur, die digitale Poesie mit einem Anker in der Medienkunst und die bildende Kunst mit einem Anker in der Conceptual Art. Sie alle verbindet, dass Sprache mit Bild und nicht zu vergessen auch Klang in ein ästhetisches Spannungsverhältnis gebracht wird.

Zudem begegnen sich im Buch auch mehrere Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Isländisch, Italienisch, Niederländisch, Portugiesisch, Russisch, Slowakisch und Ungarisch. Auf Übersetzungen wurde verzichtet - in welche Sprache sollte auch übersetzt werden?

2011

erschien der Sammelband „Paragramme” (raum für notizen 6). 42 AutorInnen nahmen daran teil, dafür ganz großes Danke! Es sind dies: Armin Baumgartner, Katja Beran, Marietta Böning, Theo Breuer, Christoph Bruckner, Gerlinde File, Petra Ganglbauer, Florian Gantner, Thomas Havlik, Wolfgang Helmhart, Regina Hilber, Christine Huber, Peter Huckauf, Gerhard Jaschke, jopa, Mark Kanak, Christian Katt, Ilse Kilic, Magdalena Knapp-Menzel, Richard Kostelanetz, Stefan Krist, Robert Krokowski, Manuela Kurt, Axel Kutsch, Peter Marwitz, Wilfried Öller, Helga Christina Pregesbauer, Sophie Reyer, Claudio Rodriguez Lanfranco, Gerhard Rühm, Angelika Schröder, Birgit Schwaner, Gunther Skreiner, Hartmut Sörgel, Lisa Spalt, Petra Johanna Sturm, united queendoms, Günter Vallaster, Fritz Widhalm, Daniel Wisser, Irene Wondratsch und Andrea Zámbori.

Das Paragramm macht beispielsweise aus einem „Haus” eine „Maus”, aber auch einen „Halm”. Bereits in der Antike nachweisbar, bekam der fröhliche Buchstabenaustausch in der frühen Neuzeit einen Namen und erlebt gegenwärtig eine Blütezeit, ohne dass sein Name allzu bekannt wäre. Es kann auf der Straße aufgelesen werden, findet sich in Auslagen und auf Plakaten, aber auch auf Wände gesprüht; es steht in der Zeitung, ist zu Gast in Funk und Fernsehen, postet sich durchs Internet, lässt Schüttelreime rütteln und begleitet manchen Liedtext. Eine große Rolle spielt es nicht zuletzt auch in der Literatur, vor allem in der sprachreflexiven, experimentellen, und es eignet sich hervorragend für kritische Brechungen und ironisierende Verschiebungen, vom Pastiche bis zur Persiflage.

Aus der Projektbeschreibung „Paragramme” (Arbeitstitel) von Günter Vallaster:

Das Anagramm kennt jede/r, das Lipogramm zumindest InsiderInnen, doch wer kennt das Paragramm? Dabei ist die Vermutung nicht unberechtigt, dass seine Häufigkeit mit der des Ana- und Lipogramms nicht nur mithalten kann, sondern die beiden sogar überflügelt, handelt es sich doch dabei um „eine scherzhaft-komische Verfälschung eines Namens oder Wortes durch den Austausch eines oder mehrerer Buchstaben”, wie die wikipedia im Kern richtig, aber in der Formulierung höchst fragwürdig, da geringschätzig vermerkt: „scherzhaft-komisch” sei an dieser Stelle durch „ästhetisch-poetisch” mindestens ergänzt, „Verfälschung” durch „Veränderung” ersetzt, „Name” unter „Wort” gefasst. Präziser, aber nicht unbedingt estimierender behandelt Underwood Dudley das Paragramm, dem er in „Die Macht der Zahl” (Basel: Birkhäuser 1999) immerhin ein Kapitel widmet, allerdings, wie es scheint, allein zu dessen Demontage:

„Es ist das Schicksal von vielen Dingen, eine kürzere oder längere Blütezeit zu haben und dann wieder zu verschwinden. Gassenhauer, Schachprobleme, bei denen weiß am Zug ist und man in sechs Zügen ein Matt erreichen soll, Sechstagerennen, sechsteilige Fugen oder Hula-Hoop-Reifen - alles ist vergangen, alles Schnee von gestern, obwohl es größere Zeiten gegeben hat. In diesem Kapitel möchte ich eine niedere Kunstform beschreiben, das Paragramm, die dasselbe Schicksal erlitten hat. Es hat seine Ursprünge in der Gematrie und blühte nur eine derart kurze Zeit, nämlich weniger als zweihundert Jahre lang, auf einem derart begrenzten Raum, nämlich meines Wissens nach nur in Deutschland, dass es nicht nur vollständig in Vergessenheit geriet, sondern selbst während seiner Blüte nicht weit verbreitet war. (...) Das Wort Paragramm stammt vom griechischen ‚paragramma’, Zusatz, und bezeichnet ursprünglich eine Buchstabenänderung in einem Wort oder Satz, durch die ein anderer, durchaus komischer Sinn entstehen kann, wie zum Beispiel Biberius für Tiberius. Ähnliche Witze finden wir auch heute noch. ‚Wohin fahren die Blondinen dieses Jahr in Urlaub?’ - ‚An die Viagra-Fälle.’” (Underwood Dudley, Die Macht der Zahl, S. 129)

Die Mission lautet somit: Rettung und Rehabilitierung des Paragramms! In allen erdenklichen vokalischen und/oder konsonantischen Dimensionen. Dem Paragramm freundlich Gesinnte gibt es indes durchaus auch, das sei zur Ermutigung nicht verschwiegen: Ferdinand de Saussure verstand darunter ursprünglich „sämtliche Spielarten von lautlicher Imitation eines Leitwortes aufgrund von Polyphonen”, um daraus überhaupt eine paragrammatische Konzeption der Sprache, zumindest der poetischen, abzuleiten (Zitiert nach: Peter Wunderli: Ferdinand de Saussure und die Anagramme. Tübingen: M. Niemeyer 1972). Möglicherweise betrifft die Seltenheit lediglich die Bezeichnung „Paragramm”, die en passant ins Bewusstsein zu rücken und in ihrer begrifflichen Extension zu schärfen auch ein Projektziel ist, aber nicht das primäre: Vielmehr geht es darum, vielfältige poetische Möglichkeiten des Paragrammes auszuloten und in einem Buch zu versammeln, dessen Erscheinen 2011 in der edition ch geplant und vorgesehen ist.

2010

war das Jahr der visuell-poetischen Anthologien „Ein Alphabet der Visuellen Poesie” (raum für notizen 5) und „Ein Polylog der Visuellen Poesie” (raum für notizen 4), letztere herausgegeben gemeinsam mit Juliana V. Kaminskaja (Sankt Petersburg) als ein visuell-poetisches Kaleidoskop mit insgesamt 20 russischen und deutschsprachigen Beiträgen zum Thema „Grenzüberschneidungen” von Dmitrij Avaliani, Tamara Bukovskaja, Volker Demuth, Klaus Peter Dencker, Alexandr Gornon, Christine Huber, Ilse Kilic, Boris Konstriktor, Sergej Kovalskij, Valerij Mischin, Asja Nemtschjonok, Elisabeth Netzkowa, jörg piringer, Roza Rueb, Pavel Schugurov, Petra Johanna Sturm, Leonid Tischkov, Liesl Ujvary, Günter Vallaster und Fritz Widhalm sowie einem Vorwort und Übersetzungen von Juliana V. Kaminskaja. Das Buch wurde am 12. Februar 2011 beim Festival poetryart im Art Center Puschkinskaja 10 in Sankt Petersburg präsentiert.

Beim Alphabetbuch wurden 57 AutorInnen dazu eingeladen, einen Buchstaben nach Wahl visuellpoetisch umzusetzen, wodurch ein vielschichtes und vielfältiges Alphabet der visuellen Poesie entstand. Die Beiträge konnten bislang im Rahmen der Veranstaltung „20 Jahre edition ch” in der Alten Schmiede (Wien) und beim Feldkircher Lyrikpreis (Theater am Saumarkt, Foyer) wandprojiziert werden.

In der Alten Schmiede habe ich auch meine folgenden

„6 Thesen zu einem Alphabet der Visuellen Poesie”

vorgetragen:

A wie A - Am Anfang war das A. Das A gewann die Wahl, was die Quantität betraf. Überraschend, aber nicht verwunderlich. Überraschend, weil lange kein A kam. Das heißt, ich bekam lange kein A zugesandt. Ich habe mich schon gefreut: Ein Alphabet ohne A! Aber dann, der Einsendeschluss war schon ziemlich nah, kam das A geballt. Ein All aus A. Verwunderlich war es nicht: Ist doch das A ein buchstäblich tragender Buchstabe des Lebens. Vom Säuglings-A bis zum Sterbe-A. Dazwischen das A des Staunens, der Wohltat, der Lust. Das A des Schmerzes. Das A des Lachens, das A des Weinens. Auch im Alphabetbuch ergab das A in Summe auch einen kleinen Lebenslauf.

Das führt zu B wie Bedeutungsfelder: Dem - auch - Lebenslauf A, von Valeri Scherstjanoi, Angelika Kaufmann, Marietta Böning, Kerstin Lichtblau, elffriede.i.a., Erika Kronabitter, Magdalena Knapp-Menzel, folgt ein körperliches B (Leopold Spoliti, Günther Kaip). Das H (Hannah Sideris, Jörg Zemmler, Wolfgang Helmhart) beispielsweise ist - auch - labyrinthisch, aber jeweils ganz unterschiedlich gelöst.

I wie Initiatlist/innen und L wie Lettrist/innen - Es war interessant zu beobachten, dass sich im Laufe der Zusendungen der Arbeiten gewissermaßen 2 Fraktionen herausbildeten: Ich nenne sie zum einen die InitialistInnen: Diese wählten die Intialen ihres Vor- oder Nachnamens oder einen tragenden Laut ihres Namens. Die zweite Gruppe, eben die LettristInnen, wählten einen anderen Buchstaben.

S wie Subtext, Subalphabet und Scharnierbuchstaben - Es lag auf der Hand, dass die Aufgabenstellung, die Festlegung auf einen Buchstaben, eine Unterwanderung geradezu herausforderte. So ist vielen Beiträgen zumindest ein zweiter Buchstabe eingeschrieben, wodurch sich übers Buch gesehen auch ein Subalphabet zeigt. Es muss aber dazugesagt werden, dass dies durch die Formulierung „die Arbeit kann, aber muss nicht aus einem einzigen Buchstaben bestehen, aber der gewählte Buchstabe sollte zumindest leitmotivisch erkennbar sein” in der Aufgabenstellung durchaus als Möglichkeit einkalkuliert war. Ein Beispiel dafür ist die Arbeit von Petra Ganglbauer, ihr deutliches P begleitet ein filigraner S-Schatten. Aus Fritz Widhalms Q lacht ein roter U-Mund. elffriedes A wird getragen von einem M in der Hand. Manche Arbeiten entzogen sich vexierbildhaft einer eindeutigen Zuordenbarkeit auf der Alphabetstrecke, da sich ihr Doppelcharakter oft aber auf den Nachbarbuchstaben bezieht, konnten sie gleichsam als Scharnierbuchstaben genau an den Übergangsbereich von einem zum nächsten Buchstaben gesetzt werden. Beispiele sind das P, das auch ein Q ist von Jörg Piringer oder die Arbeit zum Buchstaben F mit dem Titel „Ohne g” von Axel Kutsch oder das X von Sonja Tollinger und Nikolaus Scheibner, das aus Y, G und S besteht. Manche, es sei nicht verschwiegen, sandten mir auch zwei oder mehr Buchstaben zu, hier überließ ich die Wahl dem Zufall oder ich verwendete den jeweils im Buch noch unterrepräsentierten Buchstaben oder ich hielt noch einmal Rücksprache.

Z wie Zug zum Vokal - Der Trend der Wahl ging Richtung Vokal. Die Visuelle Poesie klingt und singt. Aber es sind die dunklen Vokale, zu denen es eine Mehrheit zog. U und O. O der Wasservokal (Helga Pregesbauer, Matthias Schönweger), O der Weltvokal (Christian Katt, Luc Fierens). Ferner das E, im Deutschen der häufigste Vokal, nach Ilse Kilic der „Vokal der Verbindlichkeit, der das Sprechen zusammenhält”. Das I - trotz oder gerade wegen seiner starken visuellpoetischen Tradition, man denke an Kurt Schwitters´ I-Gedicht - lies: rauf runter rauf, Pünktchen drauf oder an einige Arbeiten von Gerhard Rühm - und von mir in viel größerer Anzahl vertreten erwartet, wurde nur einmal gewählt, und zwar von Lisa Spalt. Auch bei den Konsonanten gab es einen Trend zu den stimmhaften und eher dunklen wie V und W. Zu den Konsonanten muss gesagt werden, dass es ja derer mehr gibt und interessant ist, dass sie tendenziell gleichmäßig verteilt vertreten sind. Rhythmisch und gegenständlich die stimmlosen wie das T von Manuela Kurt, die das kritische Potential darin aufgriff: Teilen macht Spass. Beide Arbeiten zum gutturalen G thematisieren Verschwinden: eingepackt von Petra Johanna Sturm, sehen Sie sich doch dieses G an, welche Pracht von Gerhard Jaschke, es folgt eine weiße Fläche. Konsonanten wurden manchmal auch über Kontexte gesetzt, die weißen Rahmen, so das F von Ingo Springenschmid und das H von Jörg Zemmler, das W von Angelika Schröder.

Postskriptum: H wie Heinz und G wie Gappmayr. Es war etwas ganz Besonderes, dass Heinz Gappmayr an diesem Projekt mitwirkte. Und es machte natürlich besonders betroffen, dass er das Projektergebnis nicht mehr sehen konnte. Das Buch befand sich gerade im Druck. Heinz Gappmayr zählte auch zu den Teilnehmern, die mir ursprünglich mehr als eine Arbeit zusandten. Seine zweite Arbeit - und zur Frage, welcher Buchstabe es war, möchte ich nur den Hinweis geben: Heinz Gappmayr wusste in Sachen visuelle Poesie A-lles - wird am Anschluss an die Projektion des Alphabetbuches noch mitgezeigt, nicht nur als Ende, sondern auch als Anfang.





Plakate der edition ch

Cover „The Tea Set” von Günter Vallaster und Cover „A Global Viuage” von Jörg Piringer bei der 4th Independent Publishers and Zine Fair Vienna Kunsthalle Wien 2013, kuratiert von Rita Vitorelli (artist and publisher of SPIKE Art Quarterly), Cathérine Hug, Gareth Long und Vanessa Joan Müller. Foto: Günter Vallaster.